Architekt oder Fertighaus?

Wer vom Eigenheim träumt, bekommt vom Fertighaushersteller alles zum Festpreis: Planung, energieeffiziente Bauweise und schnelle Fertigstellung. Wofür braucht man da noch einen Architekten?
Generell ist die Voraussetzung fürs Bauen immer der Grundstückskauf. Handelt es sich um komplizierten Baugrund in Hanglage, um ein stark verwinkeltes oder ein extrem kleines Grundstück, empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Architekten. Er ist darauf geschult, mit schwierigen baulichen Situationen zurechtzukommen und von ihm bekommt man eine ganz persönliche Planung. Man sollte die finanziellen Grenzen genau vorgeben, damit er diese miteinbeziehen kann.

 

Der Architekt als persönlicher Berater
Die Planung mit dem Architekten kostet Zeit. Denn der Bauherr ist direkt am Entwurf beteiligt. Er gibt seine Vorstellungen von Größe, Material und Raumprogramm weiter und der Architekt setzt diese um. Anschließend werden solange gemeinsam Lösungen gesucht, bis jeder zufrieden ist.

Das Ergebnis ist ein maßgeschneidertes Haus, das aufs Grundstück und zur Baufamilie passt. Das hat seinen Preis, denn das Architektenhonorar beträgt etwa zehn Prozent der Baukosten. Es ist in der Honorarordnung (HOAI) festgelegt.

Ist die Planung so weit abgeschlossen, fertigt der Architekt die Ausschreibung an, indem er die einzelnen Bauleistungen schriftlich formuliert. Sie dient als Kalkulationsgrundlage für die Angebote der Baufirmen. Diese werden später vom Architekten in einem Preisspiegel verglichen und er ermittelt den günstigsten.

Außerdem erarbeitet er die Bauverträge und hilft dem Bauherren bei der Beauftragung der einzelnen Firmen. Dabei ist er der Berater der Baufamilie und vertritt stets deren Interessen. Mit ins Team kommen noch Vermessungsingenieur und Statiker.

 

Den Hausbau aus einer Hand
Auch vom Fertighaushersteller bekommt man jedes Haus, das man sich wünscht. Wenn die Firma selbst keinen Architekten beschäftigt, bietet sich die Zusammenarbeit mit einem externen Architekten an. Er liefert den Entwurf und die Fertighausfirma fungiert als Generalunternehmer. Das heißt, sie setzt die Planung des Architekten baulich um. Dabei macht sie vieles selbst und vergibt einzelne Arbeiten an Handwerkerfirmen.

Beim Fertighaushersteller gibt es das Haus zum Festpreis - vom Ausbauhaus bis schlüsselfertig. Ein verbindlicher Preis eignet sich besonders gut für Baufamilien mit geringem Budget, für die es keine finanziellen Überraschungen geben darf.

Das Haus wird zu großen Teilen im Werk vorgefertigt und anschließend innerhalb von nur zwei bis drei Tagen auf der bereits gegossenen Bodenplatte errichtet. Ein Fertighaus wird in umweltfreundlicher Holzbauweise hergestellt. Wandaufbauten, Fenster und Dach werden so ausgeführt, dass die aktuellen Vorgaben der Energieeinspar-Verordnung in der Regel weit unterschritten werden.

 

Jetzt stellt sich also die Frage:
Wofür braucht man denn eigentlich einen Architekten, wenn die Fertighausfirma den Hausbau im Gesamtpaket liefert? Und das zum Festpreis mit fixem Fertigstellungstermin! 

 

Pro:

  • Der Architekt liefert eine ganz persönlich abgestimmte Planung
  • Er ist Betreuer und Vertreter der Interessen des Bauherren
  • Der Architekt macht Vorschläge für Materialien und Ausstattung, gibt diese aber nicht konkret vor
  • Auch schwierige Detaillösungen werden sauber ausgeführt

     

     

    Contra:

  • Der Bauherr bekommt eine Baukostenschätzung, der Preis kann sich während der Planung aber ändern
  • Der Fertigstellungstermin des Hauses wird nicht verbindlich vereinbart
  • Auf das Architektenhonorar entfallen etwa zehn Prozent der Baukosten
  • Der Bauherr muss sehr viele Entscheidungen treffen


    Ein guter Kompromiss wäre die Zusammenarbeit von Architekt und Fertighausfirma. Da vereinen sich alle Vorteile für ein optimales Ergebnis!

  • Eine klassische Architektenaufgabe: Bei diesem Zweifamilienhaus hat die Baufamilie ganz genaue Vorstellungen vom Raumprogramm, die der Architekt gut umsetzt.
    Foto: Nick Wendt, Architekt: Theo Keller

    Das vorgefertigte Raumzellen-System "Modulo" passt auf jedes kleine Grundstück.
    Foto: Kampa Haus

    Ein schönes Beispiel für die Zusammenarbeit von Architekt und Fertighausfirma: Der individuelle Entwurf wurde in Holzfertigbauweise ausgeführt.
    Foto: Fertighaus Weiss , Architekt: Thomas Ritzer