Gemeinsam bauen?
Immer wieder hört man von Baufamilien, die ein gemeinsames Bauprojekt verfolgen, um dort mit gemeinsamer Heizungsanlage, gemeinsamen (Grün-)Flächen sowie gemeinsamer Planung ein ökologisches Wohnkonzept zu verwirklichen. Verrückt oder nachahmenswert?
Durch und durch ökologisch, so präsentiert sich die kleine Ökosiedlung "Schusterwiesen" in Geltendorf bei München, die der Holzingenieur und Baubiologe Werner Tochtermann auf dem Grundstück seines Großvaters geschaffen hat.
Wo früher eine Bäckerei stand, haben heute insgesamt sechs Familien ein neues Zuhause gefunden in zwei Doppelhaushälften, einem Einfamilienhaus, einem Zweifamilienhaus und einer Reihenhauszeile mit Carport zur Straße hin. Alle fünf Sonnleitner-Häuser sind Energiesparhäuser und wurden als KfW 40 oder KfW 60 gebaut.
Ökologisches Bauen lässt sich offensichtlich in einer Gruppe besonders leicht realisieren. Fast alle gemeinschaftlichen Wohnprojekte verfolgen solche besonderen Ziele. Natürlich steht der "menschenfreundliche", dörfliche Charakter, wo sich alles um eine große gemeinsame Grünfläche schart im Mittelpunkt der Überlegungen. Der ökologische Aspekt ergibt sich aber dann fast zwangsläufig.
Warum nicht eine gemeinsame Heizungsanlage kaufen, die billiger und umweltfreundlicher ist? Kann man auf Zäune verzichten und statt dessen Hecken und Sträucher pflanzen? Kann man durch das gemeinsame Planen und das Bauen mit nur einem (Fertighaus-)Hersteller nicht günstigere Konditionen erzielen...?
Vielleicht suchen Sie Gleichgesinnte zum gemeinsamen Bauprojekt; vielleicht sehen Sie das nicht so optimistisch; vielleicht haben Sie negative Erfahrungen gemacht und wollen anderen Baufamilien diese ersparen...
Auf den Punkt gebracht: die Pro- und Contra-Argumente:
PRO
- Gemeinsam lässt sich ein ökologisches Wohnkonzept leichter und finanziell günstiger durchführen.
- Gute Nachbarschaft ist gerade im Einfamilienhaus wichtig.
- In einer Mini-Dorfanlage finden Kinder mehr Freiraum und Sicherheit.
- Letztendlich hat jeder mehr Platz, ohne seinen individuellen Freiraum aufgeben zu müssen.
CONTRA
- Gemeinschaftsprojekte scheitern oft, weil Menschen in Lebensstil und Welt-anschauung zu unterschiedlich sind.
- Für so ein Projekt hat kaum jemand Zeit für die Gesamt-Organisation.
- Wenn man sich bei solchen Projekten zerstreitet, bleibt oft nur noch der Verkauf des Hauses übrig.
- Ökologisch bauen kann auch ein Einzelner - und das ohne Kompromisse.


