Pult- oder Satteldach?

Fürs Pultdach spricht Vieles und dennoch ist es (noch) nicht sehr verbreitet. An der Architektur kann es nicht liegen, wie unsere Beispiele zeigen - eher an alten Gewohnheiten und sturen Baubehörden.
Abschied vom Satteldach
Bittet man kleine Kinder, ein Haus zu malen, dann wird es wohl immer eines mit Satteldach werden - in unseren Breiten. Doch anderswo sind es eher Flachdächer oder Walmdächer oder sogar runde Formen. Dass die Menschen in jedem gut gebauten Haus glücklich wohnen können, steht außer Frage. Wie es auszusehen hat, ist also eher Gewohnheitssache.
Das heißt ganz einfach: Es gibt keine ernst zu nehmenden Gründe, warum ein Satteldach das bessere oder schönere Dach oder gar nur die einzig wahre Dachform sein sollte. Jahrzehntelang gab es in Deutschland in Neubaugebieten den Trend zum Flachdach, bis die Probleme mit Undichtigkeiten auftauchten. Dann besann man sich wieder aufs Satteldach und baute die beliebten Bungalows eben mit Walm- oder Satteldächern und schaffte dort bei Bedarf zusätzlichen Wohnraum. Diese sogenannte eineinhalbgeschossige Bauweise hat sich mit all ihren Nachteilen bis in unsere Tage erhalten - und wurde in vielen Bebauungsplänen stur festgeschrieben.

 

Viel Platz unter der Dachschräge
Noch immer ziehen viele Menschen den Kopf ein, wenn sie in ein Dachzimmer kommen. Sie geben sich mit weniger Raum und eingeschränkten Stellmöglichkeiten zufrieden und belichten ihre Zimmer mit Dachfenstern, die bei Regen den Schlaf stören und im Sommer die Hitze hereinlassen. Alte Gewohnheiten sind eben oft wichtiger als der gesunde Menschenverstand.

Wer sich dennoch für ein Pultdach entscheidet, ist oft vielen Anfeindungen ausgesetzt.  Wir haben auf den vorigen Seiten einen kleinen Ausschnitt aus der vielfältigen modernen  Pultdach-Architektur gezeigt. Vergleicht man die Grundrisse von Satteldach- und PultdachHäusern, zeigt sich:

  • Bei gleicher Grundfläche weisen Pultdachhäuser gut 20 Prozent mehr Wohnfläche aus.
  • Die Räume im Dachgeschoss haben in der Regel mehr oder idealere Stellflächen.
  • Je nach Dachaufteilung und Neigung werden auch die innen liegenden Räume (Flure) gut belichtet.

 

Kreative Planer sind gefragt
Die wohnlichen Vorteile des Pultdaches kommen natürlich ganz besonders bei einer Platz sparenden Bauweise zum Tragen. Doch auch ein flaches Satteldach (mit ca. 25 Grad Neigung) und ein entsprechend hoher Kniestock (ab 150 cm) kann ähnliche Effekte bewirken. Zumindest in Süddeutschland gehört ein solches Dach zum üblichen Landschaftsbild. Dennoch gibt es auch konstruktive Pluspunkte, die vor allem einen finanziellen Aspekt haben. Pultdächer sind konstruktiv billiger:

  • Es entfallen die aufwendige Firstkonstruktion sowie besonderen Firstziegel.
  • Bei größeren Dachspannweiten entfällt die teure Kehlbalken-Konstruktion.
  • Es ist nur eine Regenrinne notwendig - für eine Regenwassernutzung besonders ideal.

 

Den Befürwortern des Satteldachs muss zugestanden werden: Nicht alle Pultdachhäuser sind eine Augenweide. Allein mit großen Fenstern und solarem Wärmegewinn wird eben noch kein ansprechendes Haus geschaffen - auch wenn es preiswert ist! Vielleicht sollte man deshalb aufs bewährte Satteldach nicht verzichten und stattdessen wieder mehr auf einheitliche harmonische Stadtbilder Wert legen.

Foto: Baufritz

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