Selbst ausbauen?

Wer sich für ein Ausbauhaus entscheidet, spart Investitionskosten. Legt man zum Beispiel den Fußboden selbst, tapeziert und streicht, entfällt für diese Arbeiten der Handwerkerlohn. Dafür muss man allerdings seine freien Abenden und Wochenenden opfern. Lohnt sich das wirklich?
Beim klassischen Ausbauhaus liefert die Fertighausfirma die komplette Haushülle. Der Bauherr übernimmt den Innenausbau. Generell gilt: Je mehr Muskeleinsatz, desto höher ist der Spareffekt. In der Regel spart man etwa zehn Prozent der Gesamtkosten ein.

Die Baufamilie spart den kompletten Handwerkerlohn, nur die Materialkosten fallen noch an. So kann sie fehlendes Eigenkapital durch Eigenleistung ersetzen. Denn der Wert dieser Eigenleistungen wird zum Eigenkapital-Anteil hinzugerechnet - als sogenannte Muskelhypothek.

Am besten lassen sich die Kosten für ein Ausbauhaus kalkulieren, wenn der Hersteller die Preise getrennt nach Materialkosten und Arbeitslohn angibt.

Foto: Isover

 

Zum Selbermachen braucht man Zeit


Neben der eigenen Arbeitskraft ist die Zeit entscheidend. Für ein Ausbauhaus mit bereits gedämmten Wänden müssen zwei Personen mindestens fünf bis sechs Monate Wochenendarbeit und ihren Jahresurlaub einplanen. Gelegentliche Helfer sind schon mitgezählt.

Ausbauhäuser gibt es in unterschiedlichen Ausbaustufen. Bei der niedrigsten ist die Haushülle noch ohne Fassadenverkleidung und Dämmung. Am häufigsten ist die Variante mit geschlossenen Wänden, die bereits mit Spanplatten beplankt sind. Bei einer fast-fertig-Version fehlen nur noch die Malerarbeiten und die Bodenbeläge. Eine Sonderform ist das Bausatzhaus, bei dem der Bauherr den Rohbau komplett selbst errichtet.

 

Ausbaupakete erleichtern die Arbeit


Eine Liste des Herstellers zeigt, welche Leistungen die Baufamilie noch erbringen muss und welches Material und Werkzeug sie dafür braucht. Ausbaupakete beinhalten auf das Haus und den jeweiligen Bauabschnitt abgestimmte Materialien. Dadurch schützen sie vor Fehlkäufen.

Eine gute Betreuung durch den Herstellers ist wichtig. Standard sollten schriftliche Anleitungen mit anschaulichen Illustrationen sein. Eine Hotline gibt Auskunft, wenn es mal klemmt. Außerdem begutachten die Bauleiter den Baufortschritt in regelmäßigen Abständen und sind in vielen Fällen auch am Wochenende erreichbar.


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Diese Arbeiten lohnen sich wirklich


Aufwand und Kostenersparnis müssen immer in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Deshalb ist es wichtig, die eigene Arbeitskraft und -zeit richtig einzuschätzen. Ausbauarbeiten lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen:

 

  • Leicht: Tapezier- und Malerarbeiten, Fußleisten und Fensterbänke anbringen und Bodenbeläge verlegen
  • Schwierig: Fliesen- und Sanitärarbeiten (Leitungen und Objekte), sowie die Montage von Innentüren
  • Sehr schwierig: haustechnische Gewerke wie Heizung und Elektro (muss der Fachmann abnehmen)

 

Bei den leichteren Arbeiten ist die Ersparnis am größten: Das Verlegen von Teppichböden spart bis zu 40 Prozent ein, Fliesenarbeiten 50 Prozent und Malerarbeiten sogar bis zu 70 Prozent.

Baunebenkosten für Notar, Vermesser, Erschließung und Versicherungen summieren sich schnell auf 20.000 Euro. Eine Bauleistungsversicherung versichert während der Bauzeit auftretende Schäden am Haus. Die Bauherrenversicherung sichert Helfer, Nachbarn und Baustellenbesucher über die Berufsgenossenschaft ab.

 

Kurz zusammengefasst die Pro- und Contra-Argumente:

PRO

  • Den Wert der Eigenleistung rechnet man zum Eigenkapital hinzu.
  • Der komplette Handwerkerlohn entfällt.
  • Wer nicht selbst arbeiten möchte, kann ortsansässige Handwerker unterstützen.
  • Das Haus ist maßangefertigt, man fühlt sich direkt wohl.

 

Contra

  • Man muss viel Zeit einplanen, ein Privatleben gibt es in der Bauphase nicht.
  • Die Arbeitskraft wird oft falsch eingeschätzt, nachträgliche Handwerker sind teuer.
  • Es gibt keinen festen Fertigstellungstermin.
  • Finanzielle Doppelbelastung (Miete), wenn der Ausbau länger dauert.

Das Bausatzhaus (128 qm) besteht aus Holzspanschalungssteinen. Diese werden von der Baufamilie aufeinander gesetzt und dann mit Beton verfüllt.
Foto: Praktik-Haus

Ein klassisches Ausbau-Fertighaus (140 qm) als Holzverbundkonstruktion. Die komplette Haushülle wird mit eingedecktem Dach geliefert.
Foto: Rensch-Haus

Auch Holzblockhäuser gibt es zum Ausbauen. Bei diesem Haus (160 qm) werden die Wände nicht vor Ort geschichtet, sondern am Stück im Werk vorgefertigt.
Foto: Fullwood

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